Willkommen auf der Schwarzenegg
Quellenangaben zu den Texten
und für weitere Informationen:
«Unterlangenegg – Chronik einer Landgemeinde im Wandel» (Preis Fr. 20.—)
Autoren: Ruth u. Karl-Ludwig Hertig-Schiffmann, Nadine Kramer
Bezug der Chronik bei Gemeindeschreiberei Unterlangenegg, 033 453 22 33 od.
Ruth u. Karl-Ludwig Hertig-Schiffmann, 079 378 10 13
«Unterlangenegg – Chronik einer Landgemeinde im Wandel» (Preis Fr. 20.—)
Autoren: Ruth u. Karl-Ludwig Hertig-Schiffmann, Nadine Kramer
Bezug der Chronik bei Gemeindeschreiberei Unterlangenegg, 033 453 22 33 od.
Ruth u. Karl-Ludwig Hertig-Schiffmann, 079 378 10 13
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Kirchort Schwarzenegg
Der alte Kirchort
Schwarzenegg liegt sowohl auf dem Gemeindegebiet von Unterlangenegg wie auch von Oberlangenegg.

Schwarzenegg 1829 (Blick von Westen)
Links Kirche mit Dachreiter. Die Kirchhofmauer wurde als Wehrmauer erstellt und mit vier Sporn verstärkt.
In der Mitte vorne die alte Pintenwirtschaft und erste Post, dahinter halb verdeckt das alte Krämerhaus (später "Burgdorferhaus") mit Speicher. Rechts das Pfarrhaus und davor das "Wöschhüsi".
Der Bau der Kirche Schwarzenegg 1693 war eine Reaktion der Obrigkeit in Bern auf das Aufkommen der Täuferbewegung im entlegenen Zulggebiet. Finanziert wurde der Kirchbau mit "Täufergeld" (d.h. aus beschlagnahmtem Vermögen der Täufer, siehe Abschnitt "Täufer" unten). Den Täufern gestohlenes Eigentum landete nicht selten in den privaten Taschen einiger mächtigen Bernburgerfamilien.
Der Kirchhof wurde als Truppensammelplatz mit einer Wehrmauer verstärkt. Damals herrschte Kriegstreiben zwischen den reformierten Orten (mit Bern) und den katholischen Gegenden (Luzern, Innerschweiz). Die vier Sporne in der Mauer wurden später zurückgebaut. Die Einführung der liberalen Verfassung der Republik Bern von 1831 und eines Gemeindegesetzes hatte eine Aufteilung des Gebietes der Kirchgemeinde Schwarzenegg in vier politische Gemeinden zur Folge: Horrenbach-Buchen, Eriz, Oberlangenegg und Unterlangenegg.
1871 wurde der kleine Dachreiter durch den heutigen Kirchturm ersetzt. Die alte Strasse von Steffisburg her Richtung Emmental / Luzern und Eriz führte über den Kirchplatz. Um 1830 übernahm der Kanton Strassen als Eigentum, welche von "Kirche zu Kirche" führten. Bis zum Ausbau des alten Karrweges Steffisburg-Süderen oder ins Eriz dauerte es lange. Erst in Jahren 1863-1874 erfolgte der Bau der neuen und breiten Kantonsstrasse. Seither wird der Hügelsporn auf der Schwarzenegg südlich umfahren.

Schwarzenegg 1829 (Blick von Westen)
Links Kirche mit Dachreiter. Die Kirchhofmauer wurde als Wehrmauer erstellt und mit vier Sporn verstärkt.
In der Mitte vorne die alte Pintenwirtschaft und erste Post, dahinter halb verdeckt das alte Krämerhaus (später "Burgdorferhaus") mit Speicher. Rechts das Pfarrhaus und davor das "Wöschhüsi".
Der Bau der Kirche Schwarzenegg 1693 war eine Reaktion der Obrigkeit in Bern auf das Aufkommen der Täuferbewegung im entlegenen Zulggebiet. Finanziert wurde der Kirchbau mit "Täufergeld" (d.h. aus beschlagnahmtem Vermögen der Täufer, siehe Abschnitt "Täufer" unten). Den Täufern gestohlenes Eigentum landete nicht selten in den privaten Taschen einiger mächtigen Bernburgerfamilien.
Der Kirchhof wurde als Truppensammelplatz mit einer Wehrmauer verstärkt. Damals herrschte Kriegstreiben zwischen den reformierten Orten (mit Bern) und den katholischen Gegenden (Luzern, Innerschweiz). Die vier Sporne in der Mauer wurden später zurückgebaut. Die Einführung der liberalen Verfassung der Republik Bern von 1831 und eines Gemeindegesetzes hatte eine Aufteilung des Gebietes der Kirchgemeinde Schwarzenegg in vier politische Gemeinden zur Folge: Horrenbach-Buchen, Eriz, Oberlangenegg und Unterlangenegg.
1871 wurde der kleine Dachreiter durch den heutigen Kirchturm ersetzt. Die alte Strasse von Steffisburg her Richtung Emmental / Luzern und Eriz führte über den Kirchplatz. Um 1830 übernahm der Kanton Strassen als Eigentum, welche von "Kirche zu Kirche" führten. Bis zum Ausbau des alten Karrweges Steffisburg-Süderen oder ins Eriz dauerte es lange. Erst in Jahren 1863-1874 erfolgte der Bau der neuen und breiten Kantonsstrasse. Seither wird der Hügelsporn auf der Schwarzenegg südlich umfahren.
Täufer
Die Glaubensgemeinschaft der Täufer
fühlte sich einzig der Bibel und ihrer wortgetreuen Auslegung verpflichtet. Die Täufer
verweigerten den obligatorischen Kirchgang, lehnten die Kindertaufe ab und befürworteten die Erwachsenentaufe. Auch weigerten sie
sich, Kriegsdienste zu leisten. Wegen ihrer Gesinnung wurden die Täufer von der Obrigkeit
in Bern systematisch verfolgt, hart bestraft und ihr Hab und Gut gestohlen. Viele Täufer flüchteten in die Fremde, in den Jura (Bistum Basel), ins Neuenburgische oder weiter nach Holland und bis
nach Nordamerika.
Langenegg als Heimat vieler Täuferinnen und Täufer
Johann Uriel Freudenberger war von 1657 - 1670 Pfarrer in Steffisburg. Spätestens seit 1665 beklagte sich Freudenberger im Chorgerichtsmanual über die Zunahme des Täufertums in seiner Pfarrei. Diese Sektierer seien es, die ihm übel gesinnt seien und auch andere vom Kirchgang abspenstig machen. Pfarrer Freudenberger machte grosse Anstrengungen, die Täufer ausfindig zu machen und die mit ihnen sympathisierenden Personen zurückzugewinnen. Davon berichteten wiederholt seine Einträge ins Chorgerichtsmanual (vgl. Bild unten). So schrieb er beispielweise im Mai 1670, dass er einmal mehr die Hauptverdächtigen aufgesucht und ermahnt habe: Den alten Täufer Hans Kropf auf dem Hof "Zum Weg" (Weggut) sowie Peter Eichacher auf der Kapferen - "sampt den überigen, deren Namen ich oft angegeben habe".

Chorgerichtsmanual
Die Täufer wehrten sich allerdings und sagten: "Sie sygind z'Bern gsyn, ein Obrigkeit wüsse ihrer Sachen wol (und) habind sie gehen lassen, ob wir (d.h. die Pfarrer) wollend strenger sein als die Obrigkeit?!"
Eine Untersuchung der Berner Obrigkeit im Jahr 1670 ergab, dass kaum noch jemand den Gottesdienst besuchte: Oft sei nur der Pfarrer und der Statthalter in der Kirche, auch die Chorrichter fänden sich nur selten ein. Immer wieder hörte man das Argument, dass man halt die Predigten nicht verstehe, und dass man die Bibel auch allein zu Hause lesen könne. Es kursierte das Gerücht, dass etliche Steffisburger in grosser Anzahl anderswohin in heimliche Versammlungen gehen.
Pfarrer Freudenberger ahnte, dass es vor allem auf der Langenegg "etwas Geschmacks" nach Täuferischem habe. Er war mitverantwortlich, dass ab 1693 auf der Schwarzenegg eine Kirche und ein eigenes Pfarrhaus fast in Rekordzeit gebaut wurden, um das lokale Täufertum besser bekämpfen zu können.
Den Kirchenbau sollte Pfarrer Freudenberger nicht mehr erleben. Noch 1670 wurde er von der Obrigkeit abgesetzt und durch Johann Jakob Freudenreich ersetzt.

Pfarrer Johann Jakob Freudenreich 1639-1711
Freudenreich war es, der sich im Verlauf seiner langen Amtszeit in Steffisburg (1670-1711) mit den nun vor allem im Hinterland der Kirchgemeinde in grösserer Zahl auftauchenden Täuferinnen und Täufer auseinanderzusetzen hatte, den aus Sicht der Obrigkeit "widerspänstigen Uffrüerern, secktischen Lätzköpfen und Schynheyligen".
Auf der Unterlangenegg waren dies die Gerber, Zurfluh, Späni, Hodel und Kilchhofer auf der Zuldhalden (Halten u. Zulgport), Kropf beim Weg (Weggut), die Müller und Tschabolds in Horben, die Lehner in Hinter-Zäunen, die Hodel in Hälimatt, die Hirschi im Trübenbach, die Fahrni auf der Dachsegg, und die Schneider auf dem Port.
Auf der Oberlangenegg waren es die Reusser und Otzenberger auf der Gärbi, die Schwaar und Zimmermann auf Ättenbühl, die Gerber auf Riseten und auf der Linden.
Im Täuferjahr 2007 fand als Zeichen der Wiedergutmachung für das getane Unrecht an den Täufern von Schwarzenegg und Umgebung ein Versöhnungsgottendienst statt.
Langenegg als Heimat vieler Täuferinnen und Täufer
Johann Uriel Freudenberger war von 1657 - 1670 Pfarrer in Steffisburg. Spätestens seit 1665 beklagte sich Freudenberger im Chorgerichtsmanual über die Zunahme des Täufertums in seiner Pfarrei. Diese Sektierer seien es, die ihm übel gesinnt seien und auch andere vom Kirchgang abspenstig machen. Pfarrer Freudenberger machte grosse Anstrengungen, die Täufer ausfindig zu machen und die mit ihnen sympathisierenden Personen zurückzugewinnen. Davon berichteten wiederholt seine Einträge ins Chorgerichtsmanual (vgl. Bild unten). So schrieb er beispielweise im Mai 1670, dass er einmal mehr die Hauptverdächtigen aufgesucht und ermahnt habe: Den alten Täufer Hans Kropf auf dem Hof "Zum Weg" (Weggut) sowie Peter Eichacher auf der Kapferen - "sampt den überigen, deren Namen ich oft angegeben habe".

Chorgerichtsmanual
Die Täufer wehrten sich allerdings und sagten: "Sie sygind z'Bern gsyn, ein Obrigkeit wüsse ihrer Sachen wol (und) habind sie gehen lassen, ob wir (d.h. die Pfarrer) wollend strenger sein als die Obrigkeit?!"
Eine Untersuchung der Berner Obrigkeit im Jahr 1670 ergab, dass kaum noch jemand den Gottesdienst besuchte: Oft sei nur der Pfarrer und der Statthalter in der Kirche, auch die Chorrichter fänden sich nur selten ein. Immer wieder hörte man das Argument, dass man halt die Predigten nicht verstehe, und dass man die Bibel auch allein zu Hause lesen könne. Es kursierte das Gerücht, dass etliche Steffisburger in grosser Anzahl anderswohin in heimliche Versammlungen gehen.
Pfarrer Freudenberger ahnte, dass es vor allem auf der Langenegg "etwas Geschmacks" nach Täuferischem habe. Er war mitverantwortlich, dass ab 1693 auf der Schwarzenegg eine Kirche und ein eigenes Pfarrhaus fast in Rekordzeit gebaut wurden, um das lokale Täufertum besser bekämpfen zu können.
Den Kirchenbau sollte Pfarrer Freudenberger nicht mehr erleben. Noch 1670 wurde er von der Obrigkeit abgesetzt und durch Johann Jakob Freudenreich ersetzt.

Pfarrer Johann Jakob Freudenreich 1639-1711
Freudenreich war es, der sich im Verlauf seiner langen Amtszeit in Steffisburg (1670-1711) mit den nun vor allem im Hinterland der Kirchgemeinde in grösserer Zahl auftauchenden Täuferinnen und Täufer auseinanderzusetzen hatte, den aus Sicht der Obrigkeit "widerspänstigen Uffrüerern, secktischen Lätzköpfen und Schynheyligen".
Auf der Unterlangenegg waren dies die Gerber, Zurfluh, Späni, Hodel und Kilchhofer auf der Zuldhalden (Halten u. Zulgport), Kropf beim Weg (Weggut), die Müller und Tschabolds in Horben, die Lehner in Hinter-Zäunen, die Hodel in Hälimatt, die Hirschi im Trübenbach, die Fahrni auf der Dachsegg, und die Schneider auf dem Port.
Auf der Oberlangenegg waren es die Reusser und Otzenberger auf der Gärbi, die Schwaar und Zimmermann auf Ättenbühl, die Gerber auf Riseten und auf der Linden.
Im Täuferjahr 2007 fand als Zeichen der Wiedergutmachung für das getane Unrecht an den Täufern von Schwarzenegg und Umgebung ein Versöhnungsgottendienst statt.
Ochsenbein-Haus
("alter Bären")
Der alte Bären wurde 1705 als Tavernenhaus erbaut. Wegen der Weitläufigkeit der Kirchgemeinde erkannten Schultheiss und Räte von Bern die Notwendigkeit eines bei der Kirche gelegenen Wirtshauses.
Im alten Bären wurde der bekannteste Schwarzenegger und spätere Bundesrat geboren: Ulrich Ochsenbein (1811-1890). Ein unglaublich spannendes Leben nahm hier seinen Anfang.
Als Kind erlebte Ochsenbein in den Jahren 1816/17 die schwere Wirtschafts- und Hungerkrise mit, die er später als prägendes Ereignis in seiner Biografie vermerkte. Er erinnert sich darin, wie täglich bleiche, magere Gestalten in diesem «Jahr ohne Sommer» an der Tür des Elternhauses gebettelt hätten. Man erzählte sich, «wie man sich hier und dort von Gras genährt oder von ekelhaften Abfällen, und wie Kinder verhungert seien. Das grosse Mitleid, das ich für diese Leute empfand, hat mich nie verlassen und hat wesentlich auf mein späteres Leben in der Weise eingewirkt, dass die Erleichterung der arbeitenden und dürftigen Klassen eins der Hauptziele meines Lebens wurde».
Anmerkung: «Das Jahr ohne Sommer» war eine Folge des gigantischen Ausbruchs des Vulkans Tambora auf einer indonesischen Insel vom 6. April 1815. Ungeheure Mengen Vulkanasche wurden in die Stratosphäre geschleudert und verdunkelten die Sonne weltweit.
1818 verkaufte die Familie den Bären und zog ins Waadtland. Ochsenbein studierte Rechtswissenschaften. Bei einem Ausritt entlang des Bielersees geriet Ochsenbein 1836 in einen wüsten Streit samt Schlägerei. Auf nicht geklärte Weise wurde ihm ein Messer in den Bauch gerammt "gegen die Tiefe der Herzgrube". Ulrich Ochsenbein kämpfte zweieinhalb Tage um sein Leben. Seine Taufpatin hatte einst geträumt, die Taufe des jungen Ulrich habe gar nicht auf der beschaulichen Schwarzenegg, sondern in Bern stattgefunden, unter grossem Glockengeläute - als hätte die Propheten von einem grossen Leben künden wollen. Dieser Aufstieg bahnte sich nun an.

Ulrich Ochsenbein, der Tagsatzungspräsident in seiner Offiziersuniform, 1847
Er wurde bernischer Regierungspräsident und Präsident der Tagsatzung. Nach dem Sieg im Sonderbundskrieg (ein Bürgerkrieg, 1847 kämpften liberale gegen katholisch-konservativ geprägte Orte) wurde Ochsenbein Präsident der eidgenössischen Verfassungskommission. Massgeblich setzte er sich für das Zweikammersystem nach amerikanischem Vorbild ein.
Die Bundesverfassung von 1848 ist die «Geburtsstunde der modernen Schweiz» als Bundesstaat. Ulrich Ochsenbein war ein wichtiger «Miterfinder».
1848 wurde Ochsenbein als Mitglied des ersten siebenköpfigen Bundesrates gewählt. Er übernahm das Militärdepartement.
1854 wurde Ochsenbein als Bundesrat wegen politischen Ränkelspielen vom Parlament abgewählt. Ohne Pension stand er da. Darum trat er in die französische Armee ein, was seinen Ruf als Politiker endgültig beschädigte. 1883 kam bei einem tragischen Schiessunfall seine Frau ums Leben, als sich ein Schuss aus seinem Jagdgewehr löste. Ulrich Ochsenbein starb 1890 in Nidau.
Nach dem Bau des neuen Bären mit dem Bärensaal an der Kantonsstrasse diente der «alte Bären» mehr als 100 Jahre als Bäckerei. Zuletzt führten Frauen hier während zehn Jahren einen «Dritte-Welt-Laden».
Der Initiative von Ursula und Massimo Arnaldi aus Thun ist es zu verdanken, dass sie das Gebäude erwerben und vor dem Zerfall retten konnten. Seit 2020 erstrahlt das Haus in neuem Glanz und schmückt den Kirchplatz samt kleinem Denkmal und zwei Sitzbänken.
Vier heimelige Wohnungen sind entstanden. Der Dachstock wurde zu einem grosszügigen Raum umgebaut, der für Anlässe gemietet werden kann. Im Kellergeschoss bietet das «Ochsenbein-Lädeli» Floristik, heimische Spezialitäten und kleine Kunstwerke zum Verkauf an. Hier befindet sich auch ein Apéro-Raum zum MIeten.
Diese Bilder können mittels Klick vergrössert werden.

Der alte Bären wurde 1705 als Tavernenhaus erbaut. Wegen der Weitläufigkeit der Kirchgemeinde erkannten Schultheiss und Räte von Bern die Notwendigkeit eines bei der Kirche gelegenen Wirtshauses.
Im alten Bären wurde der bekannteste Schwarzenegger und spätere Bundesrat geboren: Ulrich Ochsenbein (1811-1890). Ein unglaublich spannendes Leben nahm hier seinen Anfang.
Als Kind erlebte Ochsenbein in den Jahren 1816/17 die schwere Wirtschafts- und Hungerkrise mit, die er später als prägendes Ereignis in seiner Biografie vermerkte. Er erinnert sich darin, wie täglich bleiche, magere Gestalten in diesem «Jahr ohne Sommer» an der Tür des Elternhauses gebettelt hätten. Man erzählte sich, «wie man sich hier und dort von Gras genährt oder von ekelhaften Abfällen, und wie Kinder verhungert seien. Das grosse Mitleid, das ich für diese Leute empfand, hat mich nie verlassen und hat wesentlich auf mein späteres Leben in der Weise eingewirkt, dass die Erleichterung der arbeitenden und dürftigen Klassen eins der Hauptziele meines Lebens wurde».
Anmerkung: «Das Jahr ohne Sommer» war eine Folge des gigantischen Ausbruchs des Vulkans Tambora auf einer indonesischen Insel vom 6. April 1815. Ungeheure Mengen Vulkanasche wurden in die Stratosphäre geschleudert und verdunkelten die Sonne weltweit.
1818 verkaufte die Familie den Bären und zog ins Waadtland. Ochsenbein studierte Rechtswissenschaften. Bei einem Ausritt entlang des Bielersees geriet Ochsenbein 1836 in einen wüsten Streit samt Schlägerei. Auf nicht geklärte Weise wurde ihm ein Messer in den Bauch gerammt "gegen die Tiefe der Herzgrube". Ulrich Ochsenbein kämpfte zweieinhalb Tage um sein Leben. Seine Taufpatin hatte einst geträumt, die Taufe des jungen Ulrich habe gar nicht auf der beschaulichen Schwarzenegg, sondern in Bern stattgefunden, unter grossem Glockengeläute - als hätte die Propheten von einem grossen Leben künden wollen. Dieser Aufstieg bahnte sich nun an.

Ulrich Ochsenbein, der Tagsatzungspräsident in seiner Offiziersuniform, 1847
Er wurde bernischer Regierungspräsident und Präsident der Tagsatzung. Nach dem Sieg im Sonderbundskrieg (ein Bürgerkrieg, 1847 kämpften liberale gegen katholisch-konservativ geprägte Orte) wurde Ochsenbein Präsident der eidgenössischen Verfassungskommission. Massgeblich setzte er sich für das Zweikammersystem nach amerikanischem Vorbild ein.
Die Bundesverfassung von 1848 ist die «Geburtsstunde der modernen Schweiz» als Bundesstaat. Ulrich Ochsenbein war ein wichtiger «Miterfinder».
1848 wurde Ochsenbein als Mitglied des ersten siebenköpfigen Bundesrates gewählt. Er übernahm das Militärdepartement.
1854 wurde Ochsenbein als Bundesrat wegen politischen Ränkelspielen vom Parlament abgewählt. Ohne Pension stand er da. Darum trat er in die französische Armee ein, was seinen Ruf als Politiker endgültig beschädigte. 1883 kam bei einem tragischen Schiessunfall seine Frau ums Leben, als sich ein Schuss aus seinem Jagdgewehr löste. Ulrich Ochsenbein starb 1890 in Nidau.
Nach dem Bau des neuen Bären mit dem Bärensaal an der Kantonsstrasse diente der «alte Bären» mehr als 100 Jahre als Bäckerei. Zuletzt führten Frauen hier während zehn Jahren einen «Dritte-Welt-Laden».
Der Initiative von Ursula und Massimo Arnaldi aus Thun ist es zu verdanken, dass sie das Gebäude erwerben und vor dem Zerfall retten konnten. Seit 2020 erstrahlt das Haus in neuem Glanz und schmückt den Kirchplatz samt kleinem Denkmal und zwei Sitzbänken.
Vier heimelige Wohnungen sind entstanden. Der Dachstock wurde zu einem grosszügigen Raum umgebaut, der für Anlässe gemietet werden kann. Im Kellergeschoss bietet das «Ochsenbein-Lädeli» Floristik, heimische Spezialitäten und kleine Kunstwerke zum Verkauf an. Hier befindet sich auch ein Apéro-Raum zum MIeten.
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Der neue Bären

Postkarte vom Höhenkurort Schwarzenegg mit Bären und Bärensaal (um 1920)
Das Hotel war bis in die Fünfziger Jahre ein bekannter Ferienort und der originelle Saal mit 400 Plätzen das Zentrum für kulturelle und politische Anlässe im Thuner Ostamt. Nach dieser Blütezeit war noch das Militär in den Räumlichkeiten stationiert. Der denkmalgeschützte Bärensaal wurde 2010 aus Sicherheitsgründen abgerissen und machte Platz für das Magazin der Feuerwehr Schwarzenegg Region.
Südlich des Bärenplatzes entstand um 1734 das «Hirschibad» (unterhalb der heutigen Kantonsstrasse). Das «Hirschibad» diente zum Kuren und der Hygiene. Das schwefelhaltige Wasser aus dem Moos wirkte bei Rheuma und Gicht entzündungshemmend. Dazu war es ein Treffpunkt der lokalen Bevölkerung. Der Badbesitzer Güngerich besass das «Pintenschenkrecht». Er habe seine Gäste aber lieber im Wein statt im Wasser baden sehen, ist überliefert. Das Bad wurde 1887 geschlossen.
Das Moos
Torf aus dem Moos von Schwarzenegg wurde ab 1780 zu einem gefragten Brennstoff. Die
Wälder waren übernutzt. Die Bevölkerungszahl stieg und damit der Bedarf an Brennmaterial. Alleine die Stadt Bern sicherte sich jährlich 1'500
Fuder à 2 m3
Torf (entspricht etwa dem Volumen der Kirche
Schwarzenegg von 3'000 m3).
Mit dem Beginn der Industrialisierung und dem Aufkommen des Tourismus um 1830 wuchs der Bedarf
an Torf weiter an. Das erste Dampfschiff auf dem Thunersee 1835 wurde anfänglich mit Torf betrieben. Im Moos wurden nach Schätzung 675'000 m3
Torf abgebaut (ca. 225 Mal das Volumen der Kirche
Schwarzenegg!). Im Zuge der Ölkrise wurde zuletzt 1973 auf heimischen Torf zurückgegriffen. Im Moos erinnern einzelne Mulden und die schwarze Erde an die einstige Moorlandschaft.
Der Abbau von Hochmooren ist nach der Annahme der Rothenturm-Initiative (1987)streng verboten.
Die Trockenlegung des Gebietes Moos zur Gewinnung von landwirtschaftlich nutzbarem Boden erfolgte von 1900-1903 mit dem Bau von Drainageleitungen, vier Kanälen und Wegen. Die Tieferlegung der Entwässerung wurde 1940/41 realisiert.
Der Abbau von Hochmooren ist nach der Annahme der Rothenturm-Initiative (1987)streng verboten.
Die Trockenlegung des Gebietes Moos zur Gewinnung von landwirtschaftlich nutzbarem Boden erfolgte von 1900-1903 mit dem Bau von Drainageleitungen, vier Kanälen und Wegen. Die Tieferlegung der Entwässerung wurde 1940/41 realisiert.
Küherwesen
Eine besondere Form der Landwirtschaft war das Küherwesen. Die Wurzeln des Küherwesens findet man im 16 Jahrhundert. Damals stieg der Wert der Kuhalpen im Emmental und in unserer Gegend der
Voralpen. Die Produktion von Alpkäse mit Verkauf und Export ins Ausland wurde zunehmend attraktiv. Das Patriziat von Bern und Freiburg
erwarb solche Alpen als Geldanlage, so dass z.B. im Raum Schangnau – Röthenbach – Eriz im 18. Jahrhundert drei Viertel aller Alprechte bei Patriziern lagen. Die für den Alpbetrieb benötigten Fachleute der Milchverarbeitung, die Küher, rekrutierten Patrizier aus einheimischen Bauernsöhnen. Die Küher verkauften Milch, Butter und Käse auf eigene Rechnung. Dem Patrizier zahlten sie Zins für die Pacht und das Winterquartier auf ihren Höfen. Die
Talbauern produzierten Heu, das ihnen die Küher für das Füttern der Tierherde abkauften. So brachte es der Küherstand zu einigem Wohlstand und Ansehen. Es entwickelte sich auch
eine eigene Folklore mit Alpaufzug, Schwingen, Alphorn und Kuhreihen(Hirtenlieder).
1815 wurde eine der ersten Talkäsereien in Kiesen eröffnet. Die Käseproduktion im Tal unten war wesentlich billiger. Darum verloren die Küher rasch ihre Existenzbasis. Sie wurden zu Talkäsern, Ackerbauern oder Viehzüchtern im Tal oder auf ganzjährig betriebenen Alphöfen.
In Unterlangenegg bleibt bis heute Familie Siegenthaler auf der Allmend der Tradition und dem Brauchtum des Küherstandes treu. Die Vorfahren der Geschwister Anna und Bernhard Siegenthaler hatten als Küher keinen festen Wohnsitz. Sie lebten wie Nomaden. Im Sommer bewirtschaftete die Familie eine gepachtete Alp im Eriz, während sie im Winter mit der Herde ins Unterland zog.
Zur Überwinterung verbrachte die Küherfamilie regelmässig einige Zeit mit ihrer Tierherde in Gerzensee und später sogar in Zurzach. Familiäre Verbindungen und der Bau der Eisenbahn ermöglichten diesen fast 150km weiten Abstecher.
Sesshaft wurde die Familie Siegenthaler erst 1923 durch den Kauf des Bauernhofes auf der Allmend hinter der Kirche Schwarzenegg.

Alpabzug der Familie Siegenthaler (Bild: Katharina Sauer)
1815 wurde eine der ersten Talkäsereien in Kiesen eröffnet. Die Käseproduktion im Tal unten war wesentlich billiger. Darum verloren die Küher rasch ihre Existenzbasis. Sie wurden zu Talkäsern, Ackerbauern oder Viehzüchtern im Tal oder auf ganzjährig betriebenen Alphöfen.
In Unterlangenegg bleibt bis heute Familie Siegenthaler auf der Allmend der Tradition und dem Brauchtum des Küherstandes treu. Die Vorfahren der Geschwister Anna und Bernhard Siegenthaler hatten als Küher keinen festen Wohnsitz. Sie lebten wie Nomaden. Im Sommer bewirtschaftete die Familie eine gepachtete Alp im Eriz, während sie im Winter mit der Herde ins Unterland zog.
Zur Überwinterung verbrachte die Küherfamilie regelmässig einige Zeit mit ihrer Tierherde in Gerzensee und später sogar in Zurzach. Familiäre Verbindungen und der Bau der Eisenbahn ermöglichten diesen fast 150km weiten Abstecher.
Sesshaft wurde die Familie Siegenthaler erst 1923 durch den Kauf des Bauernhofes auf der Allmend hinter der Kirche Schwarzenegg.

Alpabzug der Familie Siegenthaler (Bild: Katharina Sauer)
Schwarzenegg-Märit
(Immer am ersten Donnerstag im
Oktober)
Für die ganze Region bildet der traditionelle Schwarzenegg-Märit ein Höhepunkt im Jahr. Tausende von Besucherinnen und Besuchern aus nah und fern finden sich am ersten Donnerstag im Oktober auf der Schwarzenegg ein. 1704 wird der Markt erstmals urkundlich erwähnt. Der damalige Schultheiss und der Rat von Bern erliessen ein Verbot für den Markt mit der Begründung, dieser sei «unnöthig und überflüssig». Nur der Viehhandel sollte stattfinden. Erst 1835 erlaubte der Regierungsrat des Kantons Bern in einem Beschluss die Durchführung eines alljährlich, am ersten Donnerstag im Oktober stattfindenden «Vieh und Krämermarktes».
Für die ganze Region bildet der traditionelle Schwarzenegg-Märit ein Höhepunkt im Jahr. Tausende von Besucherinnen und Besuchern aus nah und fern finden sich am ersten Donnerstag im Oktober auf der Schwarzenegg ein. 1704 wird der Markt erstmals urkundlich erwähnt. Der damalige Schultheiss und der Rat von Bern erliessen ein Verbot für den Markt mit der Begründung, dieser sei «unnöthig und überflüssig». Nur der Viehhandel sollte stattfinden. Erst 1835 erlaubte der Regierungsrat des Kantons Bern in einem Beschluss die Durchführung eines alljährlich, am ersten Donnerstag im Oktober stattfindenden «Vieh und Krämermarktes».
Impressionen Schwarzenegg-Märit (Bilder: Stefan Kammermann)
Giftmord auf der Schwarzenegg
Der
Giftmord auf der Schwarzenegg zog 1869 schweizweit grosses Interesse auf sich. Als Mörderin
angeklagt wurde die 23-jährige Anna Elisabeth Hertig, genannt Annelisi. Mitangeklagt waren auch ihre Stiefeltern. Von Annelisi ist bekannt, dass sie Mutter eines unehelichen Kindes war. Wohl um sich vor sozialer Ächtung zu schützen, wanderte sie von der Schwarzenegg
aus zu ihrer Schwester nach Marseille. Bald zerstritten sich die beiden und Annelisi zog weiter nach Lyon, wo sie in einem Café Arbeit
fand. Dort machte sie Bekanntschaft mit zwei Liebhabern. Der eine namens Haas war eben als Soldat samt seinem Sold entlassen
worden.
Nach Auffassung der Richter spielte sich der Giftmord wie folgt ab: In heimtückischer Absicht fasste Annelisi den Plan, den Franzosen Haas zuerst zu heiraten, um an sein Geld zu kommen. Später wollte sie dann ihren eigentlichen Geliebten heiraten. So zogen Annelisi und der Franzose Haas zusammen auf die Schwarzenegg.

Züricherische Freitagszeitung, Nr. 6,5. Februar 1869
Das Verabreichen von Strychin, ein Rattengift, bewirkt Muskelstarre und ist tödlich. Alle Indizien deuteten auf Mord, der zu dieser Zeit per Gesetz mit der Todes-trafe geahndet wurde, ausser es wurden mildernde Umstände festgestellt. In Fall von Annelisi befand das Gericht ihre «durch Verführung vernichtete Unschuld», welche die uneheliche Schwangerschaft und die damit verbundene soziale Ächtung zur Folge hatte, als Gründe, welche sie in die Kriminalität getrieben haben.
Verurteilt wurde Anna Elisabeth Hertig zu lebenslanger Verwahrung im «Zuchthaus» in Thun.
Anmerkung: Das letzte Todesurteil wurde im Kanton Bern im Jahr 1861 vollzogen.
Nach Auffassung der Richter spielte sich der Giftmord wie folgt ab: In heimtückischer Absicht fasste Annelisi den Plan, den Franzosen Haas zuerst zu heiraten, um an sein Geld zu kommen. Später wollte sie dann ihren eigentlichen Geliebten heiraten. So zogen Annelisi und der Franzose Haas zusammen auf die Schwarzenegg.

Züricherische Freitagszeitung, Nr. 6,5. Februar 1869
Das Verabreichen von Strychin, ein Rattengift, bewirkt Muskelstarre und ist tödlich. Alle Indizien deuteten auf Mord, der zu dieser Zeit per Gesetz mit der Todes-trafe geahndet wurde, ausser es wurden mildernde Umstände festgestellt. In Fall von Annelisi befand das Gericht ihre «durch Verführung vernichtete Unschuld», welche die uneheliche Schwangerschaft und die damit verbundene soziale Ächtung zur Folge hatte, als Gründe, welche sie in die Kriminalität getrieben haben.
Verurteilt wurde Anna Elisabeth Hertig zu lebenslanger Verwahrung im «Zuchthaus» in Thun.
Anmerkung: Das letzte Todesurteil wurde im Kanton Bern im Jahr 1861 vollzogen.
Panaroma-Rundweg
(via Moos - Allmend)
Der Rundwanderweg von der Kirche ins Moos und zurück via Allmend (entlang Westseite Wallmoräne) bietet zu jeder Jahreszeit einzigartige Naturerlebnisse und eine wunderbare Rundsicht. Mit einem Abstecher zuhinterst im Moos kann die Wanderung an die Rotache hinunter und weiter ins Gebiet Rohrimoos verlängert werden.


Morgenstimmung auf dem Moos (Bild: Hans Salzmann)
Der Rundwanderweg von der Kirche ins Moos und zurück via Allmend (entlang Westseite Wallmoräne) bietet zu jeder Jahreszeit einzigartige Naturerlebnisse und eine wunderbare Rundsicht. Mit einem Abstecher zuhinterst im Moos kann die Wanderung an die Rotache hinunter und weiter ins Gebiet Rohrimoos verlängert werden.


Morgenstimmung auf dem Moos (Bild: Hans Salzmann)
